Alles hat seine Zeit

DER PREDIGER SALOMO (KOHELET)

[3.1] Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
[3.22] erinnern hat seine Zeit, vergessen hat seine Zeit;

erinnern

Mitunter fällt es leicht, sich präzise an Dinge zu erinnern, die wir als Kinder erlebt haben, während wir Ereignisse von vorgestern bereits wieder vergessen haben. Warum ist das so?

Viele Erinnerungen an Ereignisse in Kindheitstagen sind mit starken Emotionen verbunden. Diese Kopplung erhöht die Chance, dass Erinnerungen langfristig im Gedächtnis bleiben.

Gilt das auch für Erfahrungen, die man später als Erwachsener macht – je stärker die emotionale Tönung, umso besser die Erinnerung?

Genau. Und es wird behauptet: ohne emotionale Bewertung kann man überhaupt nichts im Gehirn speichern.

vergessen

Eine der wichtigsten Fähigkeiten unseres Gehirns ist das kreative Vergessen. Ein gutes Gedächtnis für sich allein bedeutet noch gar nichts. Nur das, was wichtig ist, müssen wir behalten. Die wichtigsten Erfahrungen, die ein ganzes Leben lang gültig bleiben, haben wir häufig in der frühen Phase der Biografie gemacht. Das Vergessen ist eine kreative Funktion des Gehirns, die Abstraktionsleistungen erst möglich macht. Es schützt uns davor, Informationsmüll mit uns herumzuschleppen. Es gibt Patienten, die nicht vergessen können. Die sind auf sich allein gestellt, praktisch nicht lebensfähig.

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